Jura ist einer der größten Studiengänge in Deutschland. Zusammen mit Betriebswirtschaftslehre sind die Rechtswissenschaften das Studienfach, was mit Abstand am meisten Studierende anfangen. Allerdings hat Jura auch eine vergleichbar hohe Abbruchquote. Schon in den ersten Semestern brechen verhältnismäßig viele junge Menschen das Jurastudium ab. Aber woran liegt das? Wie läuft das Studium eigentlich ab und was muss man können um Jura zu studieren?

Das Studium ist zunächst einmal in zwei Abschnitte aufgeteilt. Der erste universitäre Teil des Studiums findet wie andere Studiengänge auch an der Uni statt. Dazu kommen einige Pflichtpraktika, die aber noch keinen bedeutenden Teil der Ausbildung ausmachen. Das erste Staatsexamen ist sehr auf das Wissen beziehungsweise Kennen von materiellem Recht ausgelegt.

Nach dem ersten juristischen Staatsexamen kommt das Referendariat. Dieses besteht aus fünf verschiedenen Stationen. Der Fokus liegt hier insbesondere auf der Praxis. Es ist daher eine sehr gute Möglichkeit in verschiedene Bereiche mal reinzuschauen und ein paar verschiedene Rechtsgebiete kennen zu lernen. In den Klausuren des zweiten Staatsexamens liegt der Fokus sowohl auf dem materiellen Recht als auch auf dem Prozessrecht.

Ablauf des Jurastudiums

Das Jurastudium ist je nach Bundesland sehr unterschiedlich gestaltet. Grundsätzlich besteht der erste Teil (bis zum ersten juristischen Staatsexamen) aus: Grundstudium, Hauptstudium und Examensvorbereitung mit dem ersten Staatsexamen als Abschluss.

Das Grundstudium besteht aus Klausuren und Hausarbeiten. Wie viele davon, ist von den Bundesländern beziehungsweise Universitäten abhängig.

Im Grundstudium ist es meist so, dass die Studenten mit einzelnen Klausuren, Punkte sammeln und eine bestimmte Punktzahl erreichen müssen. In Hamburg ist das Grundstudium allerdings beispielsweise auf weniger Klausuren beschränkt, dafür muss man aber auch alle Klausuren die es im Grundstudium gibt, bis zum fünften Semester bestanden haben. Wie lange man für das Grundstudium Zeit hat ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Im Regelfall sind es vier bis fünf Semester.

Beispiel für benötigete Klausuren für die Zwischenprüfung:

Zivilrecht:                               BGB AT, Schuldrecht AT, Sachenrecht I

Öffentliches Recht:             Staatsorganisationsrecht, Grundrechte

Strafrecht:                              Strafrecht AT, Strafrecht II

Sonstiges:                               Römisches Recht, Rechtsphilosophie, mind. eine Hausarbeit

Das Hauptstudium besteht dann aus weiteren vertiefenden Klausuren, Hausarbeiten und Qualifikationen. Zusätzlich wird in den meisten Bundesländern noch der Schwerpunkt gemacht. Auch die benötigten Leistungsnachweise für den Schwerpunkt variieren stark. Wer schon am Anfang des Studiums einen genauen Plan hat, was er später mal machen möchte – wobei das eher die Ausnahme sein dürfte – sollte also schon bei der Wahl der Universität auf die Schwerpunktangebote achten.

Wenn nach dem Hauptstudium alle Zulassungsvoraussetzungen zum ersten Staatsexamen erfüllt sind, kommt die Vorbereitungsphase. In der Regel dauert diese ein bis zwei Jahre. Ein Jahr lang geht man normalerweise zum Repetitor. Das kann entweder ein kommerzieller Repetitor oder auch das Uni-Repetitorium sein. Es gibt auch Studierende, die ihre Examensvorbereitung in Eigenregie gestalten. Dazu ist einerseits eine Menge Selbstdisziplin notwendig, andererseits gibt es selbst nach der Zeit im Repetitorium auch noch genug Zeit nach dem eigenen Zeitplan zu wiederholen und zu lernen.

Wie lange dauert das Jurastudium?

Das Jurastudium ist seit 2019 für eine Regelstudienzeit von 10 Semestern angesetzt. Die Anpassung gilt für alle diejenigen, die nach dem Wintersemester 2019 mit dem Jurastudium angefangen haben. Die durchschnittliche Studiendauer beträgt allerdings ca. 11,6 Semester bis zum ersten Staatsexamen.

Nach dem ersten Staatsexamen kann man entweder direkt mit dem Referendariat und der Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen anfangen oder noch einen LL.M. oder Doktortitel machen. Je nach dem welchen Weg man wählt zieht sich das Studium also sehr in die Länge. Selbst ohne erworbene Zusatzqualifikation zwischen dem ersten und zweiten Staatsexamen dauert das Jurastudium mindestens sieben Jahre. Theoretisch geht es zwar auch schneller, das wird in der Praxis allerdings kaum möglich sein.

Dazu muss allerdings angemerkt werden, dass man während der Zeit im Referendariat zumindest schon ein wenig Geld nebenher verdient.

Wie schwer ist das Jurastudium wirklich?

Diese Frage stellen sich insbesondere Studienanfänger. Zum einen hängt auch diese Antwort von der einzelnen Uni ab, zum anderen natürlich aber hauptsächlich von einem selbst. Grundsätzlich hat das Jurastudium seinen Ruf hauptsächlich zwei Dingen zu verdanken.

  1. Das Jurastudium ist einer der längsten Studiengänge, die man sich aussuchen kann.
  2. Es gibt extrem viele „Abbrecher“. Das liegt aber vor Allem auch daran, dass einfach sehr viele das Jurastudium anfangen, die sich nicht aktiv für Jura entschieden haben, sondern vorrangig nicht wussten was sie anderes machen wollen.

Was das Jurastudium einem aber mit Sicherheit abverlangt ist einerseits Fleiß und andererseits Durchhaltevermögen. Insbesondere zum Ende hin, kann das zu einem großen Problem werden.

Der Unterschied zu anderen Studiengängen liegt vor Allem in der Endprüfung, dem Staatsexamen. Für die meisten anderen Studiengänge wird am Ende eine wissenschaftliche Arbeit (Bachelor Arbeit) verfasst. Für das juristische Staatsexamen hingegen, werden zum Ende hin sechs fünfstündige Klausuren geschrieben, die zusammen mit der mündlichen Prüfung den staatlichen Teil des Staatsexamens bilden. In diesen Prüfungen kann das gesamte Wissen aus dem Studium abgefragt werden. Es kann also theoretisch sein, dass nach 4,5 Jahren Studium am Ende in einer Klausur nur materielles Wissen aus dem ersten Semester abgefragt wird.

Dieser Fakt macht das Studium zum Ende hin relativ „schwer“.

Was muss man können um Jura zu studieren?

Um Jura zu studieren sind insbesondere analytische Fähigkeiten von hohem Nutzen. Die meisten der Klausuren und vor Allem die Examensklausuren am Ende sind Fälle, die im juristischen Gutachtenstil gelöst werden müssen. Daher ist ein gewisses Maß an strukturellem Denken und Falllösungskompetenz auf jeden Fall von Vorteil. Allerdings ist genau dafür auch das Studium da, um sich die juristische Denkweise anzueignen und Gesetzesstrukturen zu begreifen.

Gerade für das spätere Berufsleben ist es außerdem gut, wenn zumindest ein gewisses Maß an Kommunikationsfähigkeit vorhanden ist. Auch das kann aber sowohl im Studium als auch im späteren Berufsleben geschult werden.

Jurastudium NC

Der Numerus Clausus für das Jurastudium ist sehr unterschiedlich je nach Universität und teilweise auch Semester. Im Durschnitt in Deutschland lag der NC im letzten Semester bei 2,2. Der Schnitt passt sich damit der Menge an jungen Menschen an, die tatsächlich Jura studieren wollen. Teilweise, wenn man an eine bestimmte Universität möchte ist auch ein Schnitt von 1,5 oder besser notwendig. An anderen Universitäten genügt auch ein Schnitt von 2,9 oder auch schlechter. Das ist allerdings eher die Ausnahme und auch nicht in jedem Semester möglich. Wer Jura studieren möchte, sollte deshalb schon darauf achten ein möglichst vernünftiges Abitur abzulegen.

Jurastudium Kosten

Die Kosten des Jurastudiums machen vielen Interessierten am Anfang etwas Angst. Allerdings sind die Studiengebühren des Jurastudiums im Grundsatz nicht höher als die von anderen Studiengängen. Durch die Dauer des Studiums hat man allerdings ca. zwei Jahre mehr, in denen man noch kein volles Gehalt verdient und Vollzeit studiert. Insbesondere für Studenten die schon im ersten Semester von zu Hause ausziehen, ergeben sich hohe Lebenshaltungskosten über einen immensen Zeitraum.

Der Semesterbeitrag selbst ist genauso hoch wie für alle anderen Studiengänge auch. Auch die Kosten für Lehrmaterialien können sich durchaus im Rahmen bewegen. In den Bibliotheken der jeweiligen Hochschule gibt es eine ausreichende Auswahl an Lehrbücher, Skripten und juristischen Zeitschriften. Man muss sich also eigentlich nichts kaufen außer die Gesetzestexte.

Diese können zum Ende des Studiums schon eher etwas teurer werden, insbesondere da immer die aktuellen Gesetzesänderungen enthalten sein müssen. Dazu kommen noch Rep-Kosten, die sich auf bis zu 1.500 € belaufen können, falls man sich für ein kommerzielles Rep entscheidet. Außerdem fallen zum Ende hin

Wo kann ich Jura studieren?

Jura kann man an so gut wie jedem größeren Universitätsstandort in Deutschland studieren. Je nachdem wie hoch der NC an der jeweiligen Universität ist und ob man sich die Uni dann immer noch frei aussuchen kann oder nicht, gibt es verschiedene Rankings, die man sich mal angucken kann. Auf der Suche nach dem richtigen Standort ist beispielsweise das CHE-Ranking sehr beliebt. Dieses Ranking basiert auf vielen Kriterien von der Studierbarkeit (also vor Allem der Bewertung der Studierenden) bis hin zur Abschlussnote. Universitäten, die dabei fast immer gut abschneiden sind zum Beispiel:

Genaue Ranking Plätze für einzelne Jahre und Kriterien gibt es beispielsweise bei: https://www.lto.de/karriere/jura-studium/uni-ranking

Deine Ansprechpartnerin

 
  • Nach einem bestandenen ersten Staatsexamen, kann man den Titel des Diplomjuristen beantragen. Von vielen fällt schon an dieser Stelle des Ausbildungsweg eine Menge Leistungsdruck ab. Und das auch zurecht. Dass im Jurastudium eines der größten Probleme vor d

  • Viele junge Menschen gehen mit hohen Erwartungen an sich und ihren späteren Karriereweg ins Jurastudium. Das Berufsbild des Partners einer Großkanzlei bewegt mehr als es zugeben wollen (zumindest auch) dazu, diesen Studiengang zu wählen. Bis zur Partnerscha

  • Der Syndikusanwalt wird oft als Unternehmensjurist bezeichnet. Das ist insoweit allerdings unrichtig, als der Syndikusanwalt eine geschützte Berufsbezeichnung ist. Was einen Syndikusanwalt ausmacht ist, dass er immer auch einen „eigenen“ Kanzleisitz nachw

  • Wir sind stolz zu verkünden, dass O&W Rechtsanwälte erneut mit dem kununu Top Company-Siegel ausgezeichnet wurde! Das bedeutet, dass wir zu den Top 5% der arbeitnehmerfreundlichsten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gehören. Was si