Der Begriff des Wirtschaftsjuristen kann für verschiedene Arten von Berufen die Bezeichnung sein. Der klassische Wirtschaftsjurist (um den es im Folgenden vorrangig gehen wird) hat den Bachelor of Laws (LL.B.) oder auch Master of Laws (LL.M.) im Studiengang Wirtschaftsrecht erworben. Wirtschaftsrecht ist insbesondere für diejenigen etwas, die sowohl gerne etwas in Richtung Wirtschaftswissenschaften als auch Rechtswissenschaften machen möchten.

Da „Wirtschaftsjurist“ kein geschützter Begriff ist, wird der Begriff mitunter auch für Volljuristen (also diejenigen mit zwei Staatsexamina) verwandt, soweit sie bereits in wirtschaftlichen Bereichen gearbeitet oder entsprechende Qualifikationen erworben haben. Grundlegend lässt sich also sagen, Wirtschaftsjuristen sind diejenigen, die einen juristischen Abschluss gemacht haben und durch Studium oder sonstige Erfahrungen wirtschaftliches Verständnis mitbringen.

Ist ein Wirtschaftsjurist ein Jurist?

Grundsätzlich erst einmal ja. Jurist ist ein sehr dehnbarer, nicht geschützter Begriff. Auch Studierende der Rechtswissenschaften, die noch keinerlei Abschluss haben, dürfen sich als Jurist bezeichnen. Juristen sind also alle, die sich mit Gesetzen und Recht im allgemeinen beschäftigen, auch wenn sie nicht Rechtswissenschaften auf Staatsexamen studiert haben. Volljuristen haben zwei juristische Staatsexamina abgelegt und sind dadurch dazu berechtigt die Befähigung zum Richteramt und die Anwaltszulassung zu bekommen. Das unterscheidet die Volljuristen von anderen, die ebenfalls juristische Kenntnisse besitzen.

Jobs für Wirtschaftsjuristen

Für das Thema Jobs für Wirtschaftsjuristen muss zunächst einmal unterschieden werden zwischen denjenigen, die Rechtswissenschaften auf Staatsexamen studiert haben und später wirtschaftliche Qualifikationen erworben haben und denjenigen die von vornherein Wirtschaftsrecht studiert haben.

Auf einschlägigen Seiten findet man viele Jobangebote für „Wirtschaftsjuristen“. Teilweise steht dann in der Stellenanzeige, dass nur Juristen mit zwei abgeschlossenen Staatsexamina gesucht werden oder eben nur solche die Wirtschaftsrecht studiert haben. Für beide Stellenanzeigen wir aber der Begriff Wirtschaftsjurist verwandt.

Die Einsatzmöglichkeiten eines klassischen Wirtschaftsjuristen ist aber ebenso wie die aller anderen Juristen, sehr vielfältig. Meist ist man besonders am Karriereanfang in beratenden Positionen tätig. Durch das umfassende Wissen von Wirtschaftsjuristen sind sie in Unternehmen aber sehr gefragt und haben viele verschiedene Möglichkeiten, auch je nach eventueller Spezialisierung. Durch das erworbene Wirtschaftsverständnis und Qualifikationen im (Personal-) Management, sind auch die Aufstiegschancen sehr gut.

Wo arbeiten Wirtschaftsjuristen?

Wirtschaftsjuristen sind praktisch überall zu finden. Von kleinen über mittelständische bis zu den allergrößten Unternehmen hin. Sie sind meist in beratender Funktion tätig und können auf vielen Gebieten sehr breit gefächert eingesetzt werden. Viele Wirtschaftsjuristen spezialisieren sich auf ein bestimmtes Gebiet, wie zum Beispiel Business Law, International Law, Steuerrecht, Unternehmensrecht oder vieles mehr, auf dem sie dann interessante Aufgaben übernehmen können.

Potenzielle Arbeitgeber sind beispielsweise:

Ausbildungsweg des klassischen Wirtschaftsjuristen

Wirtschaftsjurist wird man klassischerweise mit einem Studium im Wirtschaftsrecht. Dieses Studium gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Man kann berufsbegleitend in Präsenz studieren, ein Fernstudium machen oder eine ganz normale staatliche Universität besuchen. Mittlerweile wird auch der Bachelor Studiengang als duales Studium angeboten, wobei dieser Weg eher die Ausnahme darstellt.

Voraussetzungen für einen Wirtschaftsjuristen

Der Studiengang des Wirtschaftsrechts kann je Wunschhochschule verschiedene Zugangsvoraussetzungen haben. Meistens wird die Allgemeine Hochschulreife oder zumindest die Fachhochschulreife verlangt. Teilweise gelingt die Zulassung zu einer Hochschule auch mit einer fachverwandten Ausbildung und Berufserfahrung. Wieder andere Hochschulen verlangen eine Art Bewerbung mit Motivationsschreiben und machen einen Eignungstest. Soweit Wirtschaftsrecht an einer staatlichen Universität belegt werden soll, benötigt man aber grundsätzlich mindestens die Fachhochschulreife.

Studienmöglichkeiten

Berufsbegleitendes Präsenzstudium:

Das berufsbegleitende Studium des Wirtschaftsrechts ist eine sehr beliebte Variante. Je nachdem wie viel Zeit man während des Berufs darauf verwenden kann, gibt es verschiedene Modelle. Meist wird die Bachelor Studiendauer auf ca. sieben bis neun Semester konzipiert. Der Master ist in der berufsbegleitenden Variante auf drei bis fünf Semester ausgelegt.  Viele haben aber bereits Vorkenntnisse aus einer Ausbildung oder auch Berufserfahrung und können so, je nach Anbieter, das Bachelorstudium verkürzen.

Das berufsbegleitende Präsenzstudium ist meist relativ zeitaufwendig, aufgrund der Wege die zurück gelegt werden müssen. Allerdings gibt es wenige Selbstlernphasen, da man meist schon sehr nah am Stoff arbeitet und sonst viel im Kurs selbst lernt. Die ganz klassischen Selbstlernphasen wie beispielsweise in einem Fernstudium oder einer staatlichen Universität nehmen verhältnismäßig wenig Zeit ein. Zeitlich kann man das Präsenzstudium überwiegend als Abend- oder Wochenendstudium belegen.

Fernstudium

Das Modell des Fernstudiums wird nicht nur für Wirtschaftsrecht, sondern auch für viele andere Studiengänge immer gefragter. Auch das Fernstudium kann sowohl berufsbegleitend als auch als Vollzeitstudium absolviert werden. Als Vollzeitstudium ist der Bachelorstudiengang auf sechs bis sieben und der Master auf zwei bis vier Semester ausgelegt. In der berufsbegleitenden Version ist das Fernstudium dann auf bis zu neun Semester im Bachelor und bis zu sechs Semester im Master ausgelegt.

Der Vorteil dieses Modells ist die Flexibilität, die ein Fernstudium nun mal mit sich bringt. Je nach Hochschule sind die Kurse online verfügbar und nicht live, sodass man theoretisch zu jeder Tages- und Nachtzeit lernen könnte. Für viele ist das mittlerweile ein wichtiges Argument wenn es um die Wahl eines Studienmodells geht. Allerdings gehen auch einige Vorteile verloren, wenn man sich für ein Fernstudium (besonders in Vollzeit) entscheidet. Man hat weder ein klassisches Studentenleben, noch einen vergleichbaren Austausch mit den Kommilitonen, was ein Studium aber auch zu einem Teil ausmacht.

Studium an einer privaten Hochschule

Das Studium wird an sehr vielen privaten Hochschulen in Deutschland in verschiedenen Formen angeboten. Sowohl als Fern- aber eben auch als Präsenzstudiengang. Das Präsenzstudium an einer privaten Hochschule ist grundsätzlich etwas individueller als an einer staatlichen Universität. Die Gruppen der Studierenden sind kleiner und die meisten Veranstaltungen sind mit Anwesenheitspflicht. Gerade im Wirtschaftsrecht kann das mitunter sehr angenehm sein, da schon etwa die Hälfte der Zeit für die Vertiefung in ein bestimmtes Gebiet aufgewandt wird. Besonders bei dieser Vertiefung kann es hilfreich sein, in kleinen Gruppen und relativ individuell unterrichtet zu werden. Dazu kommt, dass private Hochschulen mitunter deutliche mehr Kursmaterial ausgeben, als Studenten an einer staatlichen Universität bekommen.

Allerdings sind auch die Kosten nicht zu vernachlässigen. Diese belaufen sich in etwa auf dieselbe Summe wie bei einem berufsbegleitenden Präsenzstudium. Eine Liste aller Hochschulen (auch staatliche Universitäten) kann man beispielsweise bei studieren.de einsehen. Auf den Websites der Hochschulen sind dann auch die verschiedenen Studiengebühren aufgelistet.  

Studium an der staatlichen Universität

Mittlerweile wird Wirtschaftsrecht auch an vielen staatlichen Universitäten angeboten. Wenn kein Wirtschaftsrecht als Studienfach angeboten wird gibt es aber oft auch vergleichbare Angebote wie zum Beispiel einen Doppelbachelor. Der Doppelbachelor besteht dann aus einem Teil Recht und einem zweiten Teil, der für den Wirtschaftsjuristen dann in der Regel Betriebswirtschaftslehre oder Volkswirtschaftslehre sein wird. Entscheidet man sich für einen Doppelbachelor sollte noch beachtet werden welchen Abschluss die jeweilige Universität für diesen Studiengang vorsieht.

Das Studium an einer staatlichen Universität ist grundsätzlich auf ein Vollzeitstudium ausgelegt und hat meist eine Regelstudienzeit von sechs bis sieben Semestern. Je nach Universität wird dann auch noch ein Masterstudium angeboten. Da sich hier aber an den verschiedenen staatlichen Universitäten aber auch Hochschulen, die angebotenen Schwerpunkte des Masters extrem voneinander unterscheiden, muss nach dem Bachelor sowieso noch entschieden werden, was man gerne machen möchte und ob nicht vielleicht berufsbegleitend oder an einem anderen Standort.

Studieninhalte des Wirtschaftsjuristen

Die Studieninhalte sind genau wie die Studienmodelle sehr unterschiedlich und vielfältig. Grundsätzlich sollen vor Allem Wirtschaftsrelevante Rechtsfragen behandelt werden. Dazu gehören in erster Linie die Grundlagen der juristischen Methodenlehre und das Verstehen von wirtschaftlichen Abläufen. Viel spielt hier auch das Rechnungswesen eine Rolle, da später im Betrieb mitunter viele Unternehmensberichte gelesen und Statistiken ausgewertet werden müssen.

Je nach Schwerpunkt besteht das Studium aus ca. 50% Rechtswissenschaft, 25% Wirtschaftswissenschaft und 25% weiterführenden Qualifikationen. Das ist allerdings vor Allem das grundlegende Wissen. Da die Studierenden relativ viel Zeit in die Vertiefung eines gewählten Bereichs investieren, kann die Gewichtung am Ende auch etwas anders aussehen.

Die rechtlichen Inhalte bestehen beispielsweise aus:

Die wirtschaftswissenschaftlichen Inhalte bestehen beispielsweise aus:

Diese „Fächer“ können mitunter aber aufgrund der vielen Anbieter stark voneinander abweichen. Je nach Hochschule beziehungsweise Universität werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt und Kurse angeboten.

Für den Master gibt es dann nochmal unzählige verschiedene Möglichkeiten, sowohl im In- als auch im Ausland. Hier kann man sowohl juristische als auch wirtschaftliche Schwerpunkte setzten. Einige von den beliebtesten Masterschwerpunkten sind:

Abschluss des Wirtschaftsjuristen

Der Abschluss des Studiengangs ist in der Regel der Bachelor of Laws (LL.B.) beziehungsweise Master of Laws (LL.M.). Beim Studium auf Zweifachbachelor bekommt man aber teilweise auch einen Bachelor of Arts.

Gehalt eines Wirtschaftsjuristen

Das Einstiegsgehalt eines Wirtschaftsjuristen (gemeint ist hier mit Abschluss in Wirtschaftsrecht) liegt bei durchschnittlich ca. 4.500 € brutto monatlich.  Je nach Unternehmensgröße und Endnote kann auch ein höheres oder eben niedrigeres Gehalt realistisch sein. Mit einem Master liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt bei ca. 5000 €. Gerade als Wirtschaftsjurist gibt es aber eine Menge Aufstiegsmöglichkeiten und gute Chancen in eine Top Position zu kommen. Durch die Kombination aus juristischen Fähigkeiten und wirtschaftlichen Kenntnissen ist man ideal geeignet für verschiedenste Führungs- oder Managementpositionen.

Wirtschaftsjuristen Zukunft

Gerade aktuell, sind auf dem Arbeitsmarkt unzählige Stellen für Wirtschaftsjuristen ausgeschrieben. Sowohl Volljuristen mit wirtschaftlichen Kenntnissen als auch Absolventen des Studiengangs Wirtschaftsrecht, können sich ihre Arbeitgeber praktisch aussuchen. Dass sich daran etwas ändert ist, zumindest in nächster Zeit, nicht ersichtlich. Durch die Kenntnisse auf dem Gebiet des Rechts und der Wirtschaftswissenschaft sind Wirtschaftsjuristen für Unternehmen sehr wertvoll. Die spezielle Arbeit wird auch in den nächsten Jahren nicht durch den technischen Fortschritt ersetzt werden können. Insbesondere für große Unternehmen ist es einfach unheimlich wertvoll, wenn Mitarbeiter juristisches und wirtschaftliches Denken zusammen mitbringen. Vor Allem auch durch die vielen Spezialisierungsmöglichkeiten im Master werden Wirtschaftsjuristen deshalb immer gebraucht werden.

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