„Jurastudenten sind alle arrogant und es gibt keine Solidarität zwischen Kommilitonen untereinander“ – solche oder ähnliche Aussagen bekommt man während des Studiums nicht selten aus anderen Fachrichtungen zu hören. Doch was ist dran an diesen Klischees und vor allem, woher kommt dieses ausgeprägte Konkurrenzdenken im Jurastudium?

Zunächst einmal muss klargestellt werden, dass es bei Jura, wie auch in jedem anderen Studiengang, ganz viele verschiedene Charaktere gibt. Deshalb ergeben grundsätzliche Pauschalisierungen nur wenig Sinn. Der „typische Jurastudent“ oder die „typische Jurastudentin“ existiert also gar nicht.
Dennoch beklagen gerade in den Rechtswissenschaften viele Studenten eine besondere Ellenbogen-Mentalität und empfinden viele ihrer Kommilitonen als unsympathisch.

Tatsächlich kommt es an einigen Universitäten mitunter vor, dass beispielsweise in den Hausarbeitsphasen Seiten aus den einschlägigen Büchern herausgerissen oder geschwärzt werden. Die meisten machen das, um sich so einen vermeintlichen Vorteil gegenüber den anderen Studenten des eigenen Semesters zu verschaffen.

Andere berichten davon, dass bestimmte Prüfungsinhalte oder Eingrenzungen durch den Professor in einer Vorlesung entweder gar nicht oder bewusst unrichtig an die Kommilitonen weitergegeben werden, die nicht anwesend waren.

Diese und weitere Vorfälle sind in erster Linie Ausdruck der Angst von Studenten, mit ihren eigenen Leistungen im Konkurrenzverhältnis zu ihren Kommilitonen nicht bestehen zu können.

Häufig finden Solidarität und Hilfsbereitschaft unter Studenten ihre Grenzen im eigenen Freundeskreis. Manchmal steht aber auch nur der eigene Vorteil im Vordergrund. Genau das wird dann oftmals von außen als unsympathisches Verhalten oder Arroganz gedeutet.

Aber worin liegen nun die Ursachen für solche Sorgen und derlei Verhalten, dass letztlich häufig auch nur ein Ausdruck von Unsicherheit ist?

Woher kommt dieses Konkurrenzdenken?

Dafür lassen sich ganz verschiedene Gründe anführen. Der einfachste Ansatz ist wohl die Tatsache, dass es bundesweit einfach sehr viele Jurastudierende gibt.

Deshalb sieht man sich von Anfang an einer großen Anzahl an möglichen Konkurrenten um Praktika, Referendariatsstellen und insbesondere um zukünftige Arbeitsplätze gegenüber. Zudem haben viele Studenten noch eine etwas begrenzte Vorstellung über das Berufsbild des Juristen im Kopf. Diesem Bild nach endet der Weg in der Justiz, bei der Staatsanwaltschaft oder als Rechtsanwalt. Dass aber heutzutage tatsächlich sehr viele Juristen ihre Berufung in ganz anderen Bereichen finden, wie z.B. in der Wirtschaft oder auch der Politik, wird einigen erst nach ihrem Studium so richtig bewusst.

Das Jurastudium als Einzelstudium

Eine andere Erklärung für dieses Konkurrenzdenken unter Jurastudierenden lässt sich zudem in den Besonderheiten dieses Studiums finden. Anders als in vielen anderen Studiengängen muss hier jeder Student fast ausschließlich als Einzelkämpfer zurechtkommen. Bei Klausuren, Hausarbeiten oder mündlichen Prüfungen besteht zwar die Möglichkeit, sich im Rahmen der Vorbereitung, der Recherche oder allgemein der Lernprozesse gegenseitig zu unterstützen, die Leistung erbringt aber letzten Endes jeder für sich allein. Team- oder Gruppenarbeiten, in denen zusammen an einem gemeinsamen Ergebnis gearbeitet wird und zeitgleich Fähigkeiten wie Hilfsbereitschaft, Koordination und Kommunikation mit den eigenen Kommilitonen erlernt und gestärkt würden, sucht man aber meist vergeblich.

Beurteilung der Leistungen als Förderung für Konkurrenzdenken

Dies führt auch nahtlos zur nächsten Besonderheit. Die Bewertung der eigenen Leistungen hängt in Jura auch vom Maßstab der anderen Prüfungen ab oder um es mit anderen Worten zu sagen: Je schlechter die Klausuren der anderen Studenten, desto besser wirkt die eigene Leistung. Dieses relative Verhältnis der Prüfungsleistungen zueinander liegt vor allem daran, dass es im Studium einen großen Beurteilungsspielraum gibt, anders als z. B. in der Mathematik sind Lösungen nicht einfach richtig oder falsch. Genau dieses in Relation setzten der Klausuren fördert auch das Konkurrenzdenken unter den Studierenden.

Aus diesem Grund scheinen einige Studenten der Vorstellung zu erliegen, den anderen Steine in den Weg zu legen würde ihre eigene Leistung verbessern und sie selbst im Leben weiterbringen.

Unfaire Bewertungen im Studium

Gerade bei den Ergebnissen von Hausarbeiten gibt es mitunter deprimierende Momente. Denn oft sind die Ergebnisse auch unter Freunden, mit denen man zusammen gearbeitet hat sehr unterschiedlich. Wenn verschiedene Korrekturassistenten die Arbeiten korrigiert haben, können auch beim selben Lösungsweg ohne andere großartige Unterschiede in der Formulierung, Ergebnisse herauskommen, die sich am Ende um mehrere Punkte unterscheiden.

Dann sollte man sich aber vor Augen führen, dass dies nicht die Schuld der anderen Kommilitonen ist. Das Bewertungssystem im Studium der Rechtswissenschaften ist leider oftmals unfair.

Jurastudium als Ausdauerstudium

Schließlich sorgt auch die besondere Länge des Studiums bei Einigen dafür, dass der Gedanke des gemeinsamen Durchhaltens bis zum Ende immer weniger im Vordergrund steht. Stattdessen konzentrieren sich viele gerade zum Examen hin mehr und mehr auf den eigenen Lernrhythmus und den eigenen Erfolg. Dabei ist es auch nicht gerade hilfreich, dass auch der psychische Druck auf die Studenten Richtung Examen immer größer wird.

Personen wie Repetitoren oder fertige Berufsträger betonen immer wieder wie wichtig das Ergebnis für das ganze restliche Leben ist. Obwohl Jurastudierenden durchaus klar ist, dass nur die eigene Leistung von Bedeutung ist.

Trotzdem lässt sich immer wieder erkennen, dass der „Trend“ zum eher geselligen Jurastudenten geht. Zwar hat die nun hoffentlich hinter uns liegende Lockdown – Zeit nicht unbedingt das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Studenten gestärkt. Trotzdem merkt man an vielen Universitäten einen Fortschritt im Verhalten der Studierenden untereinander.

Wie schwer ist das Jurastudium wirklich?

Aber bei diesen ganzen Themen kommt auch immer wieder die Frage auf: „Wie schwer ist das Jurastudium wirklich?“ Wie schwer das Studium tatsächlich ist kommt auch immer darauf an wie leicht einem das juristische Denken fällt. Zusätzlich ist bei den Klausuren ein guter grammatikalischer Ausdruck sehr wichtig, da viel geschrieben wird. In anderen Studiengängen sind Klausuren oft auch mal Ankreuzaufgaben oder kürzere Fragen. Die Klausuren in den Rechtsgebieten im Jurastudium sind aber in der Regel allesamt schriftliche Gutachten, die der Prüfling eigenständig abfertigen muss.

Das Studium selbst bekommt seinen Ruf aber überwiegend auch für die Zeitspanne. Die Regelstudienzeit beträgt neun Semester, wobei viele der Studierenden länger brauchen als viereinhalb Jahre. Diese lange Zeitspanne zusammen mit dem Fakt, dass in den Examensklausuren und in der mündlichen Prüfung eigentlich ALLES abgefragt werden kann, was jemals im Studium behandelt wurde, macht den „Berg“ an Wissen, dem man sich gegenüber sieht, wirklich groß.

Auf die Frage hin, wie schwer das Jurastudium tatsächlich ist, wird einem jeder fertige Jurist also vermutlich eine andere Antwort geben. Die letzte Zeit vor den Examina wird von vielen als stressige Zeit oder auch „Kampf gegen vergessen“ bezeichnet. In dieser Zeit stehen die meisten unter enormem psychischen Druck.

Gerade in dieser Zeit ist ein extrem ausgeprägtes Konkurrenzdenken noch sehr viel „schädlicher“ auch für den jeweiligen Prüfling selbst. Jeder braucht Freunde oder zumindest Kommilitonen, mit denen er reden und sich darüber austauschen kann, wie es im Studium läuft und wie es ihm geht.

Fazit

Zuletzt lässt sich sagen, dass jeder einzelne Jurastudent dazu beitragen sollte dieses Konkurrenzdenken im Studium auf einem erträglichen Maß zu halten. Ein gesundes Konkurrenzverhalten und der Wille einer der Besten zu sein ist sicherlich nicht verkehrt. Viel mehr wird man das Studium ganz ohne auch eher selten zum Ende bringen können. Allerdings hört das spätestens beim Verstecken von Büchern, Seiten rausreißen und schlecht machen von Kommilitonen auf. Auch für jeden selbst sollte es wichtig sein im Studium Freunde zu haben, mit denen man zusammen den Alltag meistert. Dabei die ganze Zeit besser sein zu wollen als die anderen ist auch für die eigene Psyche nicht empfehlenswert.

Die vielen Jahre des Studiums und vor Allem zum Ende hin die stressige Examensvorbereitung ist kaum alleine durchzustehen. Der psychische Druck ist auch ohne Druck von außen schon enorm hoch. Deshalb sollte man zwar seine eigenen Leistungen in den Vordergrund stellen, dabei aber nie die Kollegialität vergessen. Man kann ohnehin nicht immer der Beste in jeder Klausur sein. Umso schöner sollte es sein sich mit seinen Freunden zusammen über gute Leistungen zu freuen.

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