Die Bewerbung als Jurist in einer Anwaltskanzlei ist die allererste Visitenkarte für die spätere Qualifikation als Anwalt.

Dementsprechend seriös, präzise und überzeugend sollte das Anschreiben formuliert und die Motivation begründet werden, um zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Je nachdem wie weit fortgeschritten die eigene juristische Karriere ist, sind einige Nachweise und Formulierungen redundant oder aber auch gerade essentiell für eine erfolgreiche Bewerbung.

Intitiativbewerbung in Anwaltskanzlei

Einige Kanzleien werben mit der Aufforderung, sich auch bei nicht aktuell ausgeschriebenen Stellengesuchen initiativ bei ihnen zu bewerben.

Grundsätzlich würden wir jungen Berufseinsteigern und Juristen dazu raten, es mit einer Initiativbewerbung zu versuchen.

Denn was kann man dabei groß verlieren? Eine Initiativbewerbung wird im Zweifel aufgrund wenig konkurrierender Bewerbungen sorgfältiger und individuell geprüft.

Wenn die Bewerbung überzeugt, folgt mit großer Wahrscheinlichkeit die Einladung zu einem persönlichen Gespräch.

Sind in der Kanzlei zu diesem Zeitpunkt tatsächlich keine Kapazitäten, hat man sich mit der Bewerbung aber durchaus als geeigneter Bewerberkandidat positioniert und für späteren Rekrutierungsbedarf auf die Liste der Partner gesetzt.

Erhält man dagegen die Rückmeldung, dass es aufgrund fehlender Qualifikationen nicht für ein Bewerbungsgespräch ausgereicht hat, konnte man so den eigenen Marktwert testen und in den Ausbau der eigenen Fähigkeiten investieren.

Die Frage, die sich bei Initiativbewerbungen außerdem stellt: Ist eine E-Mail oder ggf. auch ein Telefonanruf der richtige Kommunikationskanal? Diese Frage hängt von dem Adressaten und in diesem Fall Kanzleityp ab.

Kleinere Kanzleien leben und funktionieren intern vielfach auch von einer sehr kurzen und direkten Kommunikation und sind einer telefonischen Anfrage im Zweifel eher aufgeschlossen als eine Großkanzlei.

Ein erstes unverbindliches Telefongespräch kann so dabei helfen, einen ersten persönlicheren Kontakt herzustellen und die darauf folgende schriftliche Bewerbung besser und erfolgsversprechender bei den Ansprechpartnern zu positionieren.

In Großkanzleien sind die Bewerbungsprozesse regelmäßig so ausgestaltet und professionalisiert, dass man sich über Online-Formulare bewerben kann. Hierbei ist es wichtig, die Kontaktaufnahme über ein standardisiertes Formular trotzdem persönlich und individuell zu gestalten, damit man sich von der Konkurrenz abhebt.

So baust du die Bewerbung für eine Anwaltskanzlei auf

Deckblatt

Ein Deckblatt ist zwar kein Muss, rundet die Bewerbung aber sehr schön ab und ist deswegen immer ein netter Einstieg. Ob eine Deckblatt notwendig ist oder nicht hängt davon ab

Dazu gehört auch eine Aufzählung was in der Bewerbungsmappe vorhanden ist:

  1. Anschreiben
  2. Lebenslauf
  3. Zeugnisse
  4. sonstige Anhänge

Anschreiben

Das Anschreiben ist der Teil einer Bewerbung, dem man am einfachsten einen sehr persönlichen und einzigartigen Touch geben kann. Denn mit dem Anschreiben entscheidet sich in den meisten Fällen, ob dem Bewerberkandidaten eine Chance gegeben und zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wird.

Bei dem Verfassen des Anschreibens sollte man sich stets den Gedanken vor Augen halten: Der Recruiter (oder im Fall einer Kanzlei meist der Partner), geht mit der Einstellung von einem neuen Mitarbeiter ein Risiko ein.

Die einzige Entscheidungsgrundlage für eine vernünftige Risikoabwägung ist die Bewerbung einschließlich Anschreiben. Insofern sollte man das Anschreiben zu seinen eigenen Gunsten nutzen und dem Partner eine Orientierungshilfe bieten, die die eigene Persönlichkeit hervorbringt und den eigenen Karriereverlauf als positiven Trend darstellt.

Während der Lebenslauf meist nur tabellarisch Stationen darstellt, erklärt das Anschreiben das Warum und das Wie, also die Beweggründe und eigene Arbeitsmoral.

Sollten sich im Lebenslauf Lücken ergeben haben, kann das Anschreiben auch dazu genutzt werden, entsprechende Leerstellen zu erklären und in ein positives Licht zu rücken, welches einen als Bewerber nahbar und zugleich interessant macht.

Zu den wichtigsten Kriterien, auf denen ein Anschreiben beruhen sollte, gehören daher:

  1. Anpassungsfähigkeit
  2. Relevanz der eigenen Fähigkeiten
  3. Beweise & Beispiele für 1. & 2.

Zusätzlich sollte das Anschreiben strukturell einem – wenig überraschend – stringenten Aufbaumuster folgen und so etwas wie einen roten Faden aufweisen.

Aufbau des Anschreibens

  • Briefkopf
  • Anrede
  • Einleitung: Angabe des gewünschten Standortes und des Fachbereiches, Art der Beschäftigung/ Ausbildung
  • Hauptteil: Vorstellung der eigenen Person & Motivation
  • Schlussteil: Hinweis auf beigefügte Anlagen sowie Grußformel und Unterschrift

Einleitung Anschreiben

Mit der Einleitung, die auf die persönliche Anrede folgt, muss es gelingen, die Aufmerksamkeit des Personalverantwortlichen und des Partners zu wecken. Denn im Zweifel landet die Bewerbung auf einem ganzen Stapel von Bewerbungen, da tut aus Leserperspektive Abwechslung gut und die Bewerbung hebt sich von der Konkurrenz ab.

Vor diesem Hintergrund sollten einige Standard-Phrasen vermieden werden.

Standardphrasen im Anschreiben vermeiden

  • Hiermit bewerbe ich mich als …
  • Durch Ihre Jobanzeige im Internet/in der Zeitung habe ich erfahren…
  • Ich bewerbe mich bei Ihnen, weil…

Derartige Sätze geben nur Informationen wieder, die sich bereits aus der Betreffzeile oder der Bewerbungsmappe offensichtlich ergeben.

Stattdessen sollte der Fokus darauf liegen, bei dem Verantwortlichen Emotionen zu wecken, mit denen er sich identifizieren kann. So kann das Jura-Studium und die juristische Ausbildung an sich ein möglicher Aufhänger sein, mit dem sich Partner in einer Kanzlei mit Sicherheit identifizieren können.

Ein alternative Einleitung kann daher folgendermaßen lauten:

Muster-Einleitung im Anschreiben

Nach erfolgreichem Abschluss meines Jurastudiums und Referendariats befinde ich mich auf der Suche nach einer beruflichen Herausforderung und fühlte mich durch Ihre Stellenanzeige auf [welche Plattform] und Ihren Internetauftritt direkt angesprochen. Aus diesem Grund möchte ich mich Ihnen und der Kanzlei XY gerne näher vorstellen.

Ein stilistischer Tipp, der aber beim Lesenden eine große unbewusste Reaktion auslösen kann, ist die Vermeidung des Konjunktivs und die Benutzung direkter Sprache.

Formulierungen im Konjunktiv, wie „Ich würde mich gerne vorstellen…“ oder „Ich würde mich sehr freuen…“ suggerieren Unsicherheit.

Klare und pointierte Aussagen wie „Ich freue mich über eine Antwort.“ oder „Ich werde mich gerne in einem persönlichen Gespräch genauer vorstellen.“ dagegen drücken Selbstbewusstsein und Entschlossenheit darüber aus, dass man es mit der Bewerbung auf die Stelle ernst meint.

Hauptteil

Im Hauptteil des Anschreibens geht es darum, in Korrelation zum Lebenslauf die eigene Persönlichkeit und Karriere, stringent und gleichzeitig emotional ansprechend darzustellen und sich letztlich als Jurist und Mensch der Kanzlei und dem jeweiligen Ansprechpartner „zu verkaufen“.

Leitmotiv ist dabei die folgende Frage:

„Warum bin ich der perfekte Bewerberkandidat und perfekte zukünftige Arbeitskollege für ausgerechnet diese Kanzlei und diese konkrete Stelle?“

Schluss

Die Abrundung des gesamten Anschreibens ist ein gelungener Schlussteil, bei dem ausnahmsweise auf die üblichen Phrasen zurückgegriffen werden darf. Dazu gehört ein Satz über die Bereitschaft für ein Vorstellungsgespräch und die Freude über ein persönliches Treffen

Formalitäten auf dem Anschreiben

Schon auf dem Anschreiben ist es wichtig einige Formalitäten einzuhalten:

Formalitäten beim Anschreiben

  • Eigene Kontaktdaten: in der Kopfzeile oder im Adressfeld oben links
  • Kontaktdaten der Kanzlei: im Adressfeld
  • Betreffzeile: Anliegen und gegebenenfalls genaue Angabe der Stellenanzeige als Referenz
  • Anrede: Sehr geehrte/r Frau/Herr XY, oder Sehr geehrte Damen und Herren (wenn kein konkreter Ansprechpartner)
  • Schriftart und Schriftgröße: die gleiche wie beim Lebenslauf
  • Keine Rechtschreibfehler

Was gehört in den Lebenslauf für eine Anwaltskanzlei?

Der Lebenslauf ist oft das Allererste, auf was sich der Leser einer Bewerbung konzentriert. Daher sollte dieser schön gestaltet, übersichtlich und ansprechend sein. Insbesondere erworbene Qualifikationen, freiwillige Praktika und Arbeit neben dem Studium zeigen dem Arbeitgeber, dass man engagiert ist.

Folgende Daten sollten enthalten auf jeden Fall enthalten sein:

Wenn der Lebenslauf nicht ansprechend gestaltet ist und nicht das wieder gibt, was der Arbeitgeber gerne sehen möchte, liest er sich das Anschreiben im schlechtesten Fall garnicht erst durch. Deshalb ist es wichtig, dass der Lebenslauf neben dem inhaltlichen auch vom Layout her überzeugt! Hier ist es auch angebracht mal ein wenig.

Bewerbung als Rechtsanwaltsfachangestellter

Die Tipps sind ebenso für eine Bewerbung als Rechtsanwaltsfachangestellter in einer Kanzlei übertragbar. Hier ist es ebenfalls wichtig auf die bereits erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten, sowie die eigenen Stärken hinzuweisen, die einen für die umworbene Stelle qualifizieren.

Einige Abweichungen ergeben sich zum Beispiel beim Nachweis der bereits erbrachten Leistungen. Beispielsweise sollten als Anlage keine Zeugnisse der Staatsexamina, sondern (in der Regel) das Abschlusszeugnis der Ausbildung beigefügt werden. Wie die Bewerbung formuliert werden sollte und worauf man achten sollte, ist aber deckungsgleich mit einer Bewerbung als Anwalt in einer Anwaltskanzlei. Insbesondere da viele Soft Skills, die von Rechtsanwälten beherrscht werden sollten, auch von Rechtsanwaltsfachangestellten mitgebracht werden sollten.

Anlagen für die Bewerbung bei einer Anwaltskanzlei

Zur Bewerbung als Jurist gehören außer den einschlägigen Dokumenten wie dem Lebenslauf, Anschreiben, etc. wichtige Anlagen, auf die auch im Bewerbungsschreiben selbst Bezug genommen werden kann. Eine Aufzählung der Anlagen sollte auf dem Deckblatt (falls vorhanden) angegeben sein, oder dem Bewerbungsschreiben angehängt sein, um eine möglichst transparente Struktur zu gewährleisten.

Zu den wichtigsten Anlagen, die man der Bewerbung hinzufügen sollten, gehören:

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